"Sind die Bürger paranoid?"

Artikel aus dem Mühlacker Tagblatt vom 7. Mai 2013.

Unterschiedliche Beweisführung: Während der Betreiber auf das Ergebnis von Messungen verweist, unterstreichen die Steinbruch-Kritiker ihre Sichtweise mit dem Foto einer Staubwolke.

Initiative gegen Steinbrucherweiterung in Enzberg widerspricht Darstellung des Betreibers

Mit Unverständnis hat die Bürgerinitiative „Steinbrucherweiterung Enzberg – Nein Danke!“ auf die Darstellung des Betreibers reagiert, wonach die Grenzwerte für Erschütterungen durch Sprengungen deutlich unterschritten würden.

Mühlacker-Enzberg (pm). Die Natursteinwerke Nordschwarzwald hatten mit Verweis auf Messungen im Jahr 2012 Vorwürfen widersprochen, wonach die Sprengungen im Steinbruch Schäden an Gebäuden verursachten (Mühlacker Tagblatt vom 3. Mai). Dagegen hält die Bürgerinitiative an ihren Einwänden fest: „Risse an Gebäuden kann man nicht einfach als subjektive Wahrnehmung abtun. Sind all die betroffenen Bürger paranoid?“

Von „katastrophalen Folgeschäden“ ist im Internetauftritt der Initiative die Rede und davon, dass sich die Nachbarn – selbst in 800 Metern Entfernung – noch „wie in einem Erdbebengebiet“ fühlten, wenn im Steinbruch Sprengungen stattfänden.

Wer die Begriffe „Steinbruch, Sprengung, Riss und Mauerwerk“ bei Google eingebe, erhalte 128000 Treffer, verweisen die Gegner einer Steinbrucherweiterung auf entsprechende Veröffentlichungen im Internet. Tausende von Bürgern, die in der Nähe von Steinbrüchen wohnten, würden das Gleiche empfinden, heißt es in einer Stellungnahme der Initiative.

„Aus unserer Sicht verschanzt sich die Industrie hinter dem Grenzwert, der in einer Industrienorm festgelegt wurde“, kritisiert Sprecher Dr. Dieter Kooß. Neben den Erschütterungen müssten die Bürger in Enzberg und im Teilort Sengach zusätzlich noch Staubwolken, Schwerlastverkehr und vor allem eine Zerstörung der Natur- und Kulturlandschaft vor ihrer Haustüre hinnehmen. „Bei einer Erweiterung wäre den Anwohnern des Sengachs und des Wohngebiets Lämmerzunge der einzige eben zugängliche Naherholungsraum genommen. Stattdessen haben sie einen Steinkrater vor ihrer Haustüre. Auch die Expertisen seitens des Steinbruchbetreibers können diesen Verlust nicht schönreden“, macht Kooß deutlich.

Dabei gäbe es aus Sicht der Bürgerinitiative durchaus Alternativen wie die Erweiterung des direkt an der A8 gelegenen Steinbruchs in Mönsheim. Die Initiative teilt mit, dass durch den Informationsstand am 1. Mai in Enzberg viele neue Mitstreiter gegen die Erweiterung des Steinbruches hätten gewonnen werden können. Man wolle sich demokratisch dagegen wehren, dass das wirtschaftliche Interesse des Steinbruchbetreibers über das Wohl von Bürgern, Tieren und Natur gestellt werde, fasst Kooß zusammen.

Die Natursteinwerke Nordschwarzwald hatten in ihrer Mitteilung auf das Gutachten eines Sachverständigen verwiesen. Demnach hätten sich die zum Natursteinabbau in Enzberg nötigen Sprengungen nicht nur im gesetzlichen Rahmen bewegt, sondern die immissionsschutzrechtlichen Grenzwerte deutlich unterschritten.